Projektskizze Mediation im Luisenstift
Ausgangssituation Das Luisenstift ist eine Kinder und Jugendhilfeeinrichtung mit 37 Plätzen zur stationären und ambulanten Betreuung. Die Betreuung findet im Haupthaus, zwei Jugendwohngruppen, einer Erziehungswohngruppe, dem Betreuten Einzelwohnen, sowie im Rahmen von ambulanten Hilfen statt. In unserer Einrichtung kam es in den letzten Jahren verstärkt zu Auseinandersetzungen und Streitigkeiten unter den Jugendlichen, sowie zwischen Betreuungspersonal und Bewohnern. Teilweise konnten diese Konflikte mit und durch die Beteiligten frühzeitig geklärt werden, vereinzelt geschah es jedoch auch, dass die Situation in Form von Sachbeschädigung, Bedrohung der Mitarbeiter sowie Anwendung körperlicher Gewalt unter den Kindern und Jugendlichen eskalierte. Einige Kinder und Jugendliche, aber auch Mitarbeiter fühlten sich bedroht und verängstigt. Wir versuchten auf unterschiedliche Art und Weise damit umzugehen und verschiedene Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. So erklärte sich ein Mitarbeiter zu einer Weiterbildung im Bereich "Verhalten in der Gewaltsituation" bereit. Zudem legten wir einen Schwerpunkt auf den Ausbau einer sinnvollen Freizeitgestaltung, installierten feste Sportangebote (Volleyball, Fußball, Fitness). Zusätzlich lag uns daran die Kinder und Jugendlichen zu einer eigenständigen Konfliktlösung zu befähigen. Dahingehend stießen wir erstmalig auf den Ansatz der Mediation. Mediation als Kultur im Luisenstift Phase I Im März 2001 konnten 6 Mitarbeiter unseres Hauses an einer Fortbildung zum Thema "Konfliktlotsen im Heimverbund" teilnehmen. Die erste Seminarreihe ging über drei Tage, es folgten 10 weitere 2 sündige Arbeitstreffen der Mitarbeiter sowie eine zusätzliche zweitägige Seminarreihe. In der einleitenden Seminarreihe befassten wir uns mit Grundlagen der Mediationsmethode (Mediationsregeln, Gesprächstechniken, Mediationsprozeß etc.). Phase II In der zweiten Phase stellten wir die Methode im Rahmen einer großen Dienstbesprechung im Haus vor. Die Ideen stießen auf großes Interesse , hauptsächlich Zustimmung aber auch kritischen Hinterfragungen . Es wurde deutlich, dass das Luisenstift den Ansatz der Mediation und somit die kooperative Konfliktlösung an dessen Ende möglichst keine Verlierer stehen sollen , sondern nur Gewinner, als feste Hauskultur installieren möchte. Somit befasste sich die Arbeitsgruppe Mediation mit Möglichkeiten der Installierung von Mediation im Luisenstift. Phase III In der dritten Phase wurden die entwickelten Ideen und Vorstellungen in Form einer Projektskizze festgelegt; es wurde eine Zeitachse entworfen und beschlossen, dass eine Steuerungsgruppe den weiteren Verlauf der Umsetzung leitet Diese Steuerungsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt und die Aufgabe übernommen, den Prozess der Mediation in Gang zu setzen, voranzutreiben und zu begleiten. Die Mitglieder der Steuerungsgruppe nahmen Kontakt zu Schulschlichterprojekten auf. So konnten Eindrücke und Erfahrungen von Mediation innerhalb einer Institution erlangt werden. Darüber hinaus konnte vorab eine externe Mediation in Kooperation mit dem FEE (Fachverband ev. Erziehungshilfe) und der ev. Fachhochschule stattfinden. Diese diente unter anderem dazu, die Methode im Haus praktisch erlebbar zu machen (sowohl für Bewohner, als auch für Mitarbeiter). Darüber hinaus bot sich der Mediator der Fachhochschule zu einem Auswertungsgespräch mit Mitarbeitern der Einrichtung an, so dass wir diesen "Musterfall" als lernende Einrichtung erlebten und begleiteten. Phase IV Zudem bemühte sich die Steuerungsgruppe adäquate Angebote der Mitarbeiterfortbildung und Qualifizierung der Kinder und Jugendlichen zu Konfliktschlichtern zu finden. Von März bis September 2002 absolvierten 2 Mitarbeiter eine Zusatzqualifizierung zum Mediator. Im Oktober 2002 haben 9 Kinder und Jugendliche unseres Hauses sowie zwei weitere Mitar-beiter eine 3-tägige Schlichterausbildung absolviert. Seither treffen sich alle Schlichter und Mediatoren monatlich einmal zum sogenannten SCHLICHTERTREFFEN. In diesen Treffen bearbeiteten wir bisher folgende Themen: - Vertiefung der verschiedenen Phasen der Mediation / Schlichtungsrollenspiele - Mediation im Internet - Der Irak Krieg /Eskalationsstufen/Grenzen der Mediation. Im Oktober 2003 konnte erneut eine Gruppe von 9 Jugendlichen und zwei Betreuern einen 3-tägigen Schlichterkurs absolvieren Praktische Erfahrungen mit Mediation im stationären Jugendhilfebereich: - In den letzten 2 Jahren kam es zu 7 Mediationsgesprächen: - In allen Fällen waren bisher ausschließlich Mitarbeiter als Mediatoren tätig. - Die beteiligten Konfliktparteien waren in vier Fällen Kinder und Jugendliche, in drei Fällen Kinder/Jugendliche und Erzieher. - In der Mehrzahl der Fälle konnte beobachtet werden, dass sich die Konfliktparteien an die von ihnen getroffenen Vereinbarungen hielten. Der gegenseitige Umgang miteinander verbesserte sich. - Spürbar ist, dass Elemente der Mediation auch außerhalb des festen Settings einer Schlichtung genutzt werden. So konnte beobachtet werden, dass es z.B. in Gruppenbesprechungen zu einem veränderten Umgang miteinander kam. Veröffentlicht: 18.07.2003 um 16:32:12 Uhr von Dörte Ahrens
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